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Twitter - Global Stream of Consciousness

twitter.com/selfreferential Der Begriff “Stream of Consciousness” (Bewusstseinsstrom (Wikipedia)) beschreibt eine Erzähltechnik. Wikipedia schreibt dazu:

Der Bewusstseinsstrom wurde auch schon als die „Radikalisierung personalen Erzählens“ bezeichnet, da auch dort die Innenwelt der Figur kommentarlos präsentiert wird, …

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Prinzip ist es, das Figurenbewusstsein selbst „sprechen“ zu lassen: Wahrnehmungen, Empfindungen, Assoziationen aller Art, Erinnerungen, Überlegungen, auch bloße Lautfolgen ohne ausdrückliche Ankündigung oder Eingriff einer Erzählinstanz „aufzuzeichnen“. (Vogt 1998:182-183)

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Der Erzählerbericht hat lediglich die Funktion, die Figur und ihren inneren Monolog in der Außenwelt zu situieren, und damit einen Erzählrahmen zu schaffen, den die Figur nicht erzeugen könnte. Aber äußeres Geschehen ist nur als Anreiz und Auslöser innerer Prozesse wichtig. Ein weiteres Stilmerkmal ist die Aussparung von Information durch psychologisch-syntaktische Verkürzung: Oft fallen Nomen, Personalpronomen oder finite Verbform aus, oder Artikel, Präpositionen und Konjunktionen. Des Weiteren greifen Bewusstseinsinhalte und -impulse assoziativ ineinander, so, wie sie gerade ins Bewusstsein fallen. Sie sind nicht notwendigerweise linear chronologisch geordnet

Auch wenn diese Zitate aus dem Zusammenhang gerissen sind, scheinen sie mir sehr gut auf das zu passen, was in der Public Timeline von Twitter passiert: das Ganze ist ein globaler Bewusstseinsstrom, ein “Global Stream of Consciousness”. Auch Twitter ist eine Art “Radikalisierung” des Erzählens, bei der die Teilnehmer ihr “Innenleben” “kommentarlos” präsentieren. Als Beispiel dafür sei @tweelings genannt, der all seine Tweets mit “HASS” oder “LIEBE” beginnt und seine Meinung äußerst geradlinig in 140 Zeichen fasst. Die Summe aller Tweets ist eine gigantische “Aufzeichnung” dessen, was gerade passiert, gedacht, assoziiert und gefühlt wird - zumindest im Bereich der Twittersphäre. Dafür ist ein großes Maß an Offenheit der Twitterati notwendig, auch wenn viele Inhalte schlicht unbedeutend für andere sein können; aber das ist bei einem Bewusstseinsstrom genauso.

Der Twitter Bewusstseinsstrom fördert das Bewusste zu Tage, zeigt aber zwischen den Zeilen oft das Unbewusste. Die Summe aller bewussten Äußerungen generiert ein riesiges unbewusstes Informationsgemenge. Ein geschicktes Filtern des Bewusstseinstroms führt zur Identifizierung von Memen, was auch den Erfolg der Memetracker für Twitter erklärt, wie etwa twendz, twittlink oder der deutsche Dienst dwitter.com. Sie machen das Unbewusste im Twitter Strom bewusst, indem sie als Merkmal für die Bewusstseinmachung die Häufigkeit von Worten / Memen verwenden.

“… äußeres Geschehen ist nur als Anreiz und Auslöser innerer Prozesse wichtig.” - durch die Kommentieren von Geschehen aus der persönlichen Erfahrung werden die Meme erzeugt. Das “äußere Geschehen” wirkt auf die Twitterati und ist damit der “Auslöser” für die “inneren Prozesse”, die zu einem Tweet führen.

“… Stilmerkmal ist die Aussparung von Information durch psychologisch-syntaktische Verkürzung: Oft fallen Nomen, Personalpronomen oder finite Verbform aus, oder Artikel, Präpositionen und Konjunktionen” - das ist vielleicht auch bei Twitter so, aber nicht weil der Bewusstseinsstrom so konfus ist, sondern weil man mit 140 Zeichen nicht so viel in einem Tweet schreiben kann.

“Des Weiteren greifen Bewusstseinsinhalte und -impulse assoziativ ineinander, so, wie sie gerade ins Bewusstsein fallen” - das macht Twitter gerade aus. Viele Tweets sind spontan, etwa während Fernsehsendungen. Haben Sie schon einmal nach #tatort gesucht, wenn ein Tatort im Fernseh läuft? Oder #wettendass während Wetten Dass? Auch spontane Kommentare zu Produkten, Webseiten und Geschehnissen spiegeln den impulsiven Charakter von Tweets wieder. Diese werden dann von den Followern aufgegriffen und nicht selten mit neuen Gedanken “assoziativ” weitergesponnen.

So erzählt Twitter mit seiner Public Timeline das Bewusstsein seiner Nutzer. Twitters Stream of Consciousness ist in der Tat die „Radikalisierung personalen Erzählens“.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei lesereins.de

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